Der Hexenbesen – ein Werkzeug der Reinigung, des Schutzes und der Magie

Der Hexenbesen ist wohl das Lieblingswerkzeug vieler Hexen. Kaum ein Gegenstand wird so unmittelbar mit der Hexe in Verbindung gebracht wie der Besen.
Die schwarz gekleidete Hexe, der spitze Hut, der Kessel und der Besen sind zu nahezu universellen Symbolen der Hexerei geworden.
Der Besen hat eine faszinierende Geschichte, doch es ist wichtig, dokumentierte Folklore und historische Hexereivorwürfe von der modernen Hexenpraxis zu unterscheiden.
Das bekannte Bild der Hexe auf einem Besen ist größtenteils eine frühneuzeitliche europäische Entwicklung und kein alter heidnischer Brauch.
Besen tauchen in Darstellungen von Hexen aus dem 15. Jahrhundert auf, und spätere Berichte brachten sie mit magischem Flug in Verbindung.
Der traditionelle Besen, der sogenannte „Besom“, war ein Bündel aus Zweigen oder Pflanzenmaterial, das an einem Holzstiel befestigt war. Besen konnten aus lokal verfügbarer Vegetation hergestellt werden; erhaltene Beispiele magischer Besen bestehen aus Holz, Weidenruten, Schilf, Palmblättern, Fäden und gesammelten Zweigen.
Doch die Geschichte des Besens ist viel älter und interessanter, als das bekannte Bild vermuten lässt. Der Besen begann als etwas wunderbar Gewöhnliches:
ein Haushaltsgerät.
Er fegte den Boden. Er beseitigte Schmutz. Er brachte Ordnung ins Chaos. Und vielleicht ist es genau das, was ihn zu einem so machtvollen magischen Symbol machte.
Der Besen
Der traditionelle Besen, der in Großbritannien und anderen Teilen Europas verwendet wird, heißt oft einfach „Besom“. Ein Besom besteht im Wesentlichen aus einem Bündel Zweigen oder anderem Pflanzenmaterial, das an einem Stiel befestigt ist.
Die verwendeten Materialien variierten je nach den lokal wachsenden Pflanzen. Birkenzweige, Ginster, Heidekraut, Weide und andere biegsame Zweige konnten für den Besen verwendet werden, während ein gerader Holzast den Stiel bildete.
Das Museum für Hexerei und Magie besitzt erhaltene Beispiele magischer und mit Hexerei in Verbindung stehender Besen aus Holz, Weide, Schilf, Palmblättern, Faden und gesammelten Zweigen.
Es gibt also keinen einzigen „richtigen“ Hexenbesen. Ein Besen aus Materialien aus der eigenen Umgebung kann besonders bedeutungsvoll sein.
Der Wald liefert das Holz. Die Pflanzen liefern das Gestrüpp. Die Hexe bringt die Absicht.
Wie kam es zur Verbindung
des Besens mit Hexen?
Hier wird die Geschichte besonders faszinierend. Das Bild von Hexen, die auf Besen fliegen, taucht in europäischen Quellen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit auf.
Ein bekanntes frühes Beispiel ist die Handschrift „Le Champion des Dames“ aus dem 15. Jahrhundert, deren Illustrationen Hexen auf Besen zeigen. Diese Bildsprache entwickelte sich im Kontext des europäischen Hexenglaubens und der Hexenprozesse.
Spätere europäische dämonologische Literatur und Kunstwerke stellten Hexen zunehmend auf Stäben, Besen und anderen Gegenständen fliegend dar.
Manche Berichte brachten magisches Fliegen auch mit sogenannten Flugsalben in Verbindung. Historische Quellen beschreiben, wie angebliche Hexen vor vermeintlich übernatürlichen Reisen berauschende oder giftige Präparate auftrugen, wobei die Zuverlässigkeit und der Umfang dieser Praktiken umstritten sind.
Der Besen war also nicht von Anfang an ein heidnisches Fluggerät.
Seine Verbindung zur Hexe entwickelte sich vielmehr durch eine komplexe Mischung aus Volksmagie, häuslicher Symbolik, magischen Vorstellungen, Zeugenaussagen aus Hexenprozessen und frühneuzeitlicher künstlerischer Fantasie.
Warum ist der Besen
so magisch?
Für die moderne Hexe ist die Symbolik nahezu perfekt. Ein Besen entfernt, was nicht mehr hingehört. Staub wird weggefegt. Altes wird aussortiert.
Die Schwelle wird gereinigt. Das Haus kehrt zu seiner Ordnung zurück. Daher kann der Besen zu einem magischen Instrument der Reinigung, des Schutzes, der Verbannung, der Läuterung und der Erneuerung werden.
Wenn du mit einem magischen Besen fegst, denke nicht nur an das Reinigen des Bodens. Stell dir vor, wie du wegfegst:
Angst,
gestaute Energie,
Streitigkeiten,
unerwünschte Einflüsse,
alte Gewohnheiten,
und alles, was seinen Zweck erfüllt hat.
Der Besen wird zur physischen Verkörperung magischer Absicht.
Die Wahl eines neuen
Hexenbesens
Wenn Sie einen neuen Besen herstellen oder kaufen, wählen Sie einen, der gut in der Hand liegt. Er muss nicht teuer sein. Tatsächlich kann ein einfacher, handgefertigter Besen viel bedeutungsvoller sein als ein aufwendig verzierter.
Achten Sie auf einen Holzstiel, der angenehm und ausbalanciert ist. Wählen Sie für die Borsten nach Möglichkeit natürliche Materialien. Sie könnten beispielsweise Folgendes verwenden:
Birke – Reinigung und Erneuerung
Weide – Wasser, Intuition und Flexibilität
Heidekraut – Schutz und die wilde Landschaft
Ginster – traditionell verbunden mit dem Fegen und der alten Besentradition
Eberesche – Schutz
Diese Pflanzenassoziationen sind Teil moderner magischer Symbolik und kein universeller historischer Code. Lass die Pflanzen innerhalb deiner eigenen Tradition Bedeutung erlangen.
Und wenn du dein eigenes Holz sammelst, tue es verantwortungsvoll. Nimm niemals unnötig einen lebenden Ast. Ein abgefallener Ast kann genauso schön sein.
Weihe des neuen Besens
unter dem Vollmond
Ein Vollmond ist eine wunderbare Zeit, um einen neuen magischen Gegenstand zu weihen. Da es keine überlieferte historische „Besenweihe bei Vollmond“ aus mittelalterlichen europäischen Quellen gibt, folgt hier ein modernes Hexenritual.
Lege den neuen Besen auf ein sauberes Tuch. Zünde eine Kerze an. Stelle eine Schale mit Wasser daneben. Du kannst auch Salz, Räucherstäbchen oder eine kleine Kräutergabe in der Nähe platzieren.
Setze dich dann ruhig mit dem Besen hin. Halte den Stiel mit beiden Händen. Spüre sein Gewicht. Denke an all das, was dir dieser Besen helfen wird, aus deinem Leben zu entfernen.
Wenn der Mond sichtbar ist, hebe den Besen in Richtung des Mondlichts. Dann sprich:
Im Licht des Vollmonds
erwecke ich diesen Besen.
Möge er mein Werkzeug der Reinigung werden.
Möge er alles hinwegfegen, was mir schadet.
Möge er entfernen, was nicht mehr hingehört.
Möge er die Schwelle meines Zuhauses bewachen.
Möge er Angst, Unordnung und Stagnation forttragen.
Und möge er Frieden, Kraft und Licht hinterlassen.
Wenn du Räucherstäbchen verwendest, ziehe den Besen vorsichtig durch den Rauch. Befeuchte dann den Stiel mit etwas sauberem Wasser.
Wenn du die Symbolik von Erde und Reinigung einbeziehen möchtest, kannst du eine winzige Menge Salz um den Besen streuen, anstatt es direkt auf das Holz zu geben.
Halte den Besen zum Schluss noch einmal ins Mondlicht und sprich:
Mond über uns, Erde unter uns,
erwecke dieses Werkzeug und lass seine Kraft wachsen.
Mit Hand, mit Herz, mit Wort und Willen,
lass diesen Besen weiterhin meiner Magie dienen.
Was ich fortfege, wird vergehen.
Was ich beschütze, wird in meinem Herzen bleiben. Dann lass den Besen dort, wo er über Nacht das Mondlicht empfangen kann.
Das erste Fegen
mit dem Besenstiel
Wenn du deinen neuen Besen zum ersten Mal benutzt, fege nicht gleich den normalen Schmutz weg. Beginne hinten am Haus. Arbeite dich langsam zur Haustür vor.
Stelle dir beim Fegen vor, wie alles Unerwünschte zusammengetragen und zur Türschwelle geschoben wird. Du kannst dabei sprechen:
Was hier nicht hingehört, verschwinde.
Was Schaden bringt, verschwinde.
Was Angst bringt, verschwinde.
Was Unordnung bringt, verschwinde.
Dieses Haus ist gereinigt.
Dieses Haus ist beschützt.
Dieses Haus gehört mir.
Fege alles symbolisch zur Tür. Dann halte inne. Fege die unerwünschte Energie nicht zurück ins Haus. Öffne die Tür und stell dir vor, wie sie geht.
Schließe die Tür. Dein Besen hat nun seine erste magische Aufgabe erfüllt.
Der Besen als Wächter
Ich stelle mir den Besen auch gerne als Wächter der Schwelle vor. Wenn es nicht verwendet wird, kann es in der Nähe des Hauseingangs aufbewahrt werden. Der physische Besen erinnert die Hexe:
Ich entscheide, was hineinkommt.
Ich entscheide, was hinausgeht.
Dadurch ist der Besen besonders wirkungsvoll für Grenzmagie. Man kann sogar eine kleine Schnur um den Stiel binden und ein schützendes Symbol, eine Rune oder ein Siegel anbringen, das für die eigene Praxis bedeutsam ist.
Und wie sieht es
mit dem Fliegen aus?
Die berühmte Fähigkeit des Besens, zu fliegen, entstammt vor allem der Folklore und der magischen Vorstellungswelt der europäischen Hexerei.
Für die moderne Hexe verstehe ich „Fliegen“ lieber symbolisch. Der Besen ist das Vehikel ihrer Vorstellungskraft. Wenn du in Trance oder beim Trommeln mit ihm zusammensitzt, stell dir vor, wie du durch den Nachthimmel reist.
Über dem Wald. Über den Bergen.
Der Besen wird zur Brücke zwischen der realen und der imaginären Welt. Du musst nicht behaupten, dass dein Körper den Boden verlassen hat.
Die Reise kann im Bewusstsein während deiner Meditation stattfinden.
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